Slim, regular, rot, blau, mit oder ohne Logo? Bei Wijld macht sich jeder sein T-Shirt, wie es ihm gefällt. Klar, kennt man schon längst. Doch die Shirts haben etwas, dass sie aus der Masse herausstechen lässt: Statt aus Baumwolle werden sie aus Holz hergestellt.

"Wir hatten einen Bericht über die Baumwollanbauer in Indien gesehen, die sich das Leben genommen haben, das hat uns zum Nachdenken gebracht", so Timo Beelow. Jährlich bringen sich in Indien tausende Baumwollarbeiter selbst um, als Ursache gilt eine Mischung aus Missernten, Schulden und steigenden Kosten, etwa durch genetisch veränderte Pflanzen, deren Saatgut jährlich neu gekauft werden muss.

Aber auch der "Wunsch, etwas anders zu machen", habe Beelow angetrieben. Gemeinsam mit Aline Hauck und dem Künstler Angelo Cicero gründete er das Start-up Wijld. "Wir wollten etwas herstellen, das fair, lokal und nachhaltig ist." Das Ergebnis seien die "WoodShirts".

Erfolg dank Crowdfunding

Weil das Startkapital für die Shirts fehlte, teilten sie ihre Vision auf derCrowdfunding-Plattform Kickstarter. Mit Erfolg: Die Zielsumme von 12.000 Euro wurde bereits erreicht, die drei Jungunternehmer sind überwältigt von dem großen Interesse, auf das sie stoßen.

"Holz ist ein nachwachsender Rohstoff", sagt Beelow, "und die Bäume, die für die Shirts verwendet werden, stammen vorwiegend von FSC- oder PEFC-zertifizierten Waldflächen aus der EU." Diese Siegel garantieren, dass die Waldflächen nach bestimmten ökologischen und sozialen Standards bewirtschaftet werden.

Doch wie wird der Baum zum Shirt? Zuerst wird das Holz in kleine Stücke verarbeitet und in Wasser eingelegt. Dadurch löst sich der Zellstoff. Dieser wird dann mit Wasser und Lösungsmitteln vermischt. "Die verwendeten Lösungsmittel dürfen nicht toxisch sein", erklärt der 33-jährige Jungunternehmer, "man könnte sie sogar trinken, wenn man wollte."

Der entstandene Brei wird unter Vakuum erhitzt, dadurch wird alles Wasser entzogen. Die sogenannte Spinnlösung entsteht, nachdem diese gesiebt und gepresst wurde, bleiben Fasern übrig, die sich zu Stoffen weiterverarbeiten lassen.

Umweltfreundliche Wertschöpfungskette

"Der gesamte Herstellungsprozess ist nachhaltig, wir verwenden umweltfreundliche Farben, es entstehen keinerlei umweltschädliche Abwässer und es wird circa zwanzigmal weniger Wasser verbraucht als bei Baumwolle", sagt Beelow. "Das Holz wird in Österreich zu Holzwolle- und dann in Portugal zu Garn weiterverarbeitet, in diesen Ländern erhalten die Arbeiter faire Löhne."

Weitere Vorteile der WoodShirts: sie sollen reißfest sowie atmungsaktiv sein und eine antibakterielle Wirkung haben. Auch in Sachen Tragekomfort seien die T-Shirts aus Holz, denen aus Baumwolle voraus: "Viele denken, dass sich Stoff aus Holz sicher kratzig anfühlt, dabei ist das Material weich wie Seide und sogar für Allergiker geeignet."

In den Handel kommen die T-Shirt voraussichtlich ab November, die Vorbestellungen laufen bereits im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne. Preislich starten die Shirts bei 30 Euro.

"Damit, dass man sich Farbe, Passform und das Logo des Shirts per Klick selbst zusammenstellen kann, möchten wir erreichen, dass der Käufer eine Beziehung zu seinem T-Shirt aufbaut", so Beelow. Auch das sei ein Schritt weg von der Wegwerfgesellschaft. Waschen könne man die Shirts übrigens ganz normal in der Maschine, die bedruckten Versionen allerdings besser nur bei 30 Grad. Aber das sei ja sowieso umweltfreundlicher.Lesen Sie mehr auf:abendmode | festliche kleider