Wieviel Mode ist im Businessleben sinnvoll?

In Sachen Businessmode ist vielfach die Rede davon, man solle sich "altersgemäß anziehen". Wer legt eigentlich fest, was "altersgemäße Kleidung" ist?

Beide – der Träger und der Betrachter. Es gibt Stilelemente, die einen jünger und unerfahren wirken lassen wie etwa Kleidung, die zu groß ist, der mädchenhaft hochgebundene Zopf bei Frauen mit langen Haaren oder die Hochwasserhose beim Mann. Im Geschäftsleben wirkt das fehl am Platz.

Rüschenblusen, Plüschjacken, Tüllröcke und die Farbe Pink – die Damenmode zeigt sich diesen Herbst und Winter recht verspielt. Wie verträgt sich das mit dem Outfit am Arbeitsplatz?

Genau das ist der Punkt: Die Mode hat nicht immer unsere Karriere im Sinn. Die genannten Signale können eine Frau schnell wie eine Geschenkverpackung aussehen lassen. Um sich selbst mit den Augen eines Betrachters zu sehen, lohnt sich der Aufwand, sich in einem Outfit zu fotografieren und den Look von außen zu betrachten. Würde ich mir selbst den Auftrag oder den Job geben, wenn das Outfit so kombiniert ist? Gerade betont modische Teile wollen eher reduziert als üppig eingesetzt werden.

Wie trendbewusst und jugendlich sollten oder dürfen sich Frauen in eher konservativen Berufszweigen kleiden?

Da gilt: Strategie statt Trend-Kopie. Die Kleidung sollte anlassbezogen und entsprechend der Dresscodes gewählt werden. Damit zeigt man reife Entscheidungen und Wertschätzung gegenüber dem Anlass, dem Gegenüber und sich selbst. Der Dresscode gibt aber nur den Rahmen vor, den jeder mit persönlichem Stil füllen sollte. Es gibt genügend Stellschrauben für individuellen Ausdruck und einen modernen Look: etwa typgerechte Farben und interessante Materialkombinationen. Diese stilistischen Möglichkeiten nutzen viele Männer und Frauen häufig nicht aus, weil sie nicht wissen, was ihnen steht und sie gut aussehen lässt. Stil und Style sind nicht das Gleiche.

Im Vergleich zum europäischen Ausland oder gar Asien gehen deutsche Unternehmen eher locker mit Kleiderordnungen um. Selbst große Banken und Versicherungen geben kaum noch Dresscodes vor.

Diese Tendenz sorgt meines Erachtens für große Unsicherheit und gründet auf falschen Vorbildern: Der Trend entstand durch den großen Hype um die Start-up-Szene. Nur sind die meisten Start-ups digital unterwegs und haben nicht – wie Versicherungsberater und Manager – ständigen persönlichen Kunden- und Mitarbeiterkontakt.

Bei dem eine Krawatte immer noch Pflicht ist?

Ich würde die Diskussion nicht an der oft zitierten Manager-Krawatte festmachen, aber die Sorgfalt der äußeren Erscheinung ist ein Statement an sich. Gerade internationale Geschäftspartner wollen wissen, woran sie sind. Weil die gemeinsame Muttersprache fehlt, wird die Kleidersprache umso wichtiger.

Erfordert eine Spitzenposition auch eine Spitzengarderobe, sprich teure Marken und edle Stoffe?

So wie man bereit ist, einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens für Wohnen, Essen und Urlaub auszugeben, sollte man auch für die Kleidung ein Budget reservieren. Dabei aber hat gerade hochwertige, gut gemachte Kleidung eine längere Lebensdauer als viele billig erworbenen Artikel, die der Markt so hergibt. Eine Spitzengarderobe ist also nur bedingt am Preis festzumachen – zumal eine teure Marke nicht zwingend eine gut verarbeitete sein muss. Zum Anspruch, spitze zu sein, gehören für mich kleidungstechnisch in erster Linie fühlbare Qualität, eine exzellente Passform und ein unverwechselbarer Charakter.

Die 50-jährige Abteilungsleiterin und die 20-jährige Auszubildende tragen beim Meeting die gleiche Pünktchenbluse zum Hosenanzug. Wer sollte das Oberteil anschließend am ehesten aussortieren?

Das kommt auf den Hosenanzug und das Styling, also das Gesamtbild, an. Passt es zur Persönlichkeit und Aufgabe? Und wie sieht das Pünktchenmuster aus? Wenn die Abteilungsleiterin die Bluse als augenzwinkerndes Detail in ihren Look integrieren kann – warum nicht? Wenn die Auszubildende damit ernst zu nehmend aussieht – warum nicht auch das? Nur absprechen sollten sie sich vielleicht …

Sie sind auch Designerin für Firmenkleidung. Wie entwirft man einen einheitlichen, generationsübergreifenden Business-Look?

Da ist die Auswahl der Bekleidungsteile wichtig, und eine Definition, welche Kombinationsmöglichkeiten infrage kommen und erlaubt sind. Außerdem spielen Längen und Passformen eine wichtige Rolle: Ein Rock zum Beispiel kann in verschiedenen Längen angeboten werden oder aus unterschiedlichen Materialien, etwa einer anschmiegsamen Stretchqualität und einer klassischen Business-Ware.

Business-Outfits wirken oftmals sehr bieder und konservativ. Kann man sich auch "zu alt" anziehen?

Oh ja, leider. Meist mangelt es an der geschickten Wahl von Passform, Farben und Schnitten. Das liegt natürlich auch an der freiwilligen Uniformierung vieler Branchen. Manchmal aber geschieht es, dass jemand sich von einem lieb gewordenen Trend nicht verabschieden kann. Dann kann es passieren, dass man einer Frau am Make-up oder der Frisur ansieht, wann sie jung war. Oder jemand ist einem Trend gefolgt, der für eine jüngere Generation konzipiert ist. Beides macht älter: "abgelaufene" Fashion und der Kontrast, der das Alter betont, wenn man meint, in reiferen Jahren noch hippen Street-Style tragen zu müssen.

Welchen Spielraum hat man bei Accessoires, um wenigstens etwas junge Mode einfließen zu lassen?

Heute wird nicht mehr so überdekoriert wie in den opulenten Achtzigern. Schmuck etwa wird gezielt und als echter Hingucker eingesetzt. Also eher eine Statement-Kette als das Ensemble von Kette und Ohrringen. Das erhöht den Anspruch an diese Eyecatcher. Die müssen dann auch wirklich sitzen und zum Typ passen.Lesen Sie mehr auf:abendkleider münchen | abendkleid rot